Kacheln, Sticker, Tags & Graffiti: Interview mit Christian Kopsch

Urban Art in Freiburg

Einst mit dem Projekt hiphopfreiburg.de, einem regionalen Online-Portal rund um die Themen HipHop und Graffiti, als Freiburger Chronist für Bombings, Streetart, Trains und Walls aktiv. Veranstalter vom 1. Freiburger Stickeraward und Ausstellungen wie Let The Wood Look Good und Graffiti On Vinyl. Organisator diverser Graffiti Jams, Sketch Battles und HipHop Konzerten- & Partys. Beobachter und Artist in der Graffiti Szene. Christian Kopsch.

Kann man hier in Freiburg von einer intakten Szene sprechen, wenn es um Streetart und Graffiti geht? Teilweise hat man ja den Eindruck, dass die Truppe der Aktivisten seit Day One wenig Neuzugänge verzeichnet und die Erscheinungsformen von Urban Art recht wenig variieren.
Gemessen an der Größe der Stadt passiert hier schon recht viel. Aber das ist wie in jeder Szene. Leute kommen und gehen, und so gibt es auch in Freiburg immer mal wieder aktive und weniger aktive Streetartists.



Nichtsdestotrotz kann man natürlich dennoch von einer intakten Szene sprechen und dabei trifft der Beobachter durchaus auf eine Vielzahl unterschiedlicher Erscheinungsformen. Ob gesprüht, geklebt, oder installiert - in den Straßen Freiburgs kann man davon vieles sehen. Besonders großflächige Murals sieht man in den letzten Monaten immer mal wieder öfters.



Die Stadt Freiburg hat 14 Brücken und Unterführungen als genehmigte Flächen für Graffiti-Aktivitäten freigegeben. Da es hier aber natürlich keine Regelung gibt und der Respekt unter den Malern oftmals nicht zu existieren scheint, kommt es regelmäßig zu farbenfrohen Rangeleien. Braucht Freiburg mehr Flächen oder die Sprayer einen Codex?
Freiburg ist im bundesweiten Durchschnitt, was die Menge an legalen Graffiti-Flächen angeht, sehr weit vorn. Und das schon seit vielen Jahren. Aus Artist-Sicht gibt es aber meiner Meinung nach nur wenige, die wirklich attraktiv sind. Ein Großteil der legalen Flächen befindet sich in und an irgendwelchen Unterführungen oder Plätzen, an denen eigentlich keiner so richtig Lust zu sprühen hat: Oftmals ist es zu eng und die Wände sind zu klein, zu dunkel, zu wenig belüftet, oder man stört die Passanten. Was aus meiner Sicht fehlt, sind weitere Flächen die attraktiv sind und dafür gäbe es durchaus Potential in Freiburg. Von „farbenfrohen Rangeleien“ oder Writer-Bashing habe ich hingegen nichts mitbekommen. Ich denke, das gemeinsame Miteinander funktioniert grundsätzlich ganz gut.



Wildes Taggen, unnötige Bombings und infantile Krakeleien haben den Ruf von Graffiti ganz klar in Mitleidenschaft gezogen. So wird bei vandalistischen Schmierereien und stadtverschönernden Kunstwerken mit gleicherlei Maß gemessen. Wie stehst du zu dem Thema Sachbeschädigung versus Kunst im öffentlichen Raum?
Grundsätzlich sind „vandalistische Schmierereien“ ja auch die Wurzel von Graffiti. Alles hat ja mit dem Taggen einzelner Namen angefangen. Und aus meiner Sicht haben deshalb all diese Ausprägungen von Graffiti durchaus auch ihre Daseinsberechtigung. Natürlich sollte man dabei aber differenzieren. Ich persönlich finde es nicht gut, wenn zum Beispiel Denkmäler oder Kulturgüter illegal besprüht werden.



Hingegen könnte die eine oder andere triste und abgerockte Wand durchaus etwas Farbe vertragen. Letztendlich muss aber jeder Artist mit sich selber ausmachen, was für ihn vertretbar ist oder auch nicht.
Und Kunst im öffentlichen Raum ist ja sehr oft dem ursprünglichen Graffiti entlehnt, beziehungsweise weiterentwickelt. Betrachtet man zum Beispiel die kürzlich durch die Berliner Gruppe Innerfields gestaltete Hausfassade an der Dreisam, dann hat das aus meiner Sicht nichts mehr mit ursprünglichem Graffiti zu tun. Ich persönlich sehe das eher als eine Fassadengestaltung mit Werkzeug Sprühdose.



Aus meiner Sicht sind Tags und Bombings keine Abwertung von Kunst im öffentlichen Raum. Ich sehe die Abhängigkeit da genau andersrum: Großflächige Murals oder aufwendig gestaltete Häuserfassaden sind eine Weiterentwicklung und Bereicherung des ursprünglichen Graffitis - und schließlich haben ein Großteil der heute erfolgreichen Graffiti Künstler in der Illegalität angefangen. www.facebook.com/hiphopfreiburg

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Artikelfoto: Frode Heldaas
Textfoto 1: Nest Dafoe
Textfoto 2: Quake & Beat 

Pic by © Thorsten Leucht
Matthias Boksch